Clara-Schumann-Gesamtschule Kreuztal  verschieden aber miteinander

"Clara macht Theater" - Doppelpremiere der Theaterkurse der Klassen 12 und 10 der CSG

 
Am Mittwoch, dem 15.6. fand in der Stadthalle Kreuztal eine Doppelpremiere der Theaterkurse der Klassen 12 und 10 der Clara Schumann Gesamtschule Kreuztal im Rahmen von „Clara macht Theater“ statt. Die ca. 200 Zuschauer sahen zwei eindrucksvolle Stücke, die die Schüler selbst verfasst hatten. Als erstes zeigte der Jahrgang 10 sein Abschlussstück im Rahmen des Unterrichtsfaches „Darstellen und Gestalten“ mit dem Titel „Die Patientindie tragische Geschichte einer Tänzerin“, das unter dem Motto „Träume“ stand.
„Wie vielfältig und teilweise verrückt  sich Träume abspielen können, kennt wohl jeder - dennoch enthalten sie immer einen Funken Realität. Das Stück entführte die Zuschauer auf eine bewegende Reise aus Träumen, Erinnerungen und Realität und erzählt dabei die Geschichte einer Tänzerin, die ihren Lebenstraum verwirklichen will – doch auf einmal ist alles anders. Nach einem Autounfall liegt sie im Koma und der Zuschauer erhält durch die Besuche am Krankenhausbett Einblick in ihre Geschichte. Was dabei Traum, Erinnerung oder Realität ist, wird dem Zuschauer nur anhand des Lichtes deutlich.
Das Stück wurde im Laufe des letzten Schuljahres von den Schülerinnen und Schülern selbst entwickelt. In den Unterrichtsstunden wurden Träume auf verschiedenste Weise dargestellt und schließlich, Szene für Szene, in eine Geschichte integriert. Begleitet wurde die Story durch zahlreiche Tänze, die die Darsteller hauptsächlich selbst und mit Unterstützung durch die Tanzpädagogin Britta Papp entwickelt haben.
Mit etwas Wehmut schauten die Schülerinnen und Schüler des DG-Kurses rund um die Hauptdarsteller Jenni Goebel und Fabian Schefczyk (siehe Foto rechts) ihrem letzten Auftritt entgegen und hofften das Publikum noch einmal zu begeistern und mitzureißen zu können.
 
Nach der Pause zeigte der Literaturkurs der Klasse 12 „Exodus“. Ausgangspunkt der Arbeit an diesem Stück war die biblische Erzählung vom Exodus, dem Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Die 28 Oberstufenschüler hatten sich dem Stoff genähert und ihn auf seine Aktualität hin befragt.
Unter Anleitung von Marianne Steuber und Peer Ball hatten die Schüler ein eigenes Theaterstück erarbeitet, das Parallelen zwischen dieser Basiserzählung der Migration und der heutigen Flüchtlingssituation aufzeigt. Nach einer intensiven Recherchephase entwarfen die Schüler Figuren, die für unterschiedliche Herkunftsländer, Anlässe und Motive der Flucht nach Europa stehen.
Anhand dieser Figuren, die zufällig in einem Schlauchboot von der Türkei nach Lesbos zusammenkommen, konnten die Zuschauer in der Stadthalle im Verlauf der Stückhandlung exemplarische Stationen von Fluchtwegen über die Balkanroute nacherleben. Am Ende steht die Konfrontation der glücklich in Deutschland angekommenen Flüchtlingsgruppe mit verunsicherten Anwohnern, die um ihre Dorfgemeinschaft fürchten. Eine Übersetzerin, die schon lange in Deutschland lebt, und sich bei den Anwohnern dafür einsetzt, auch die Perspektive der Flüchtenden zu verstehen, sorgt für ein versöhnliches Ende.
Die jungen Darsteller rezitierten aus der Bibel, zeigten Situationen der Flucht und verkörperten in Tänzen und Gedichtpräsentationen emotionale Momente der Fluchterfahrung. Am Ende stellte ein Gedicht von Zafer Senocak die Frage nach dem Standort zwischen alter und neuer Heimat, zwischen Muttersprache und der Sprache der neuen Heimat: „Ich habe meine Füße auf zwei Planeten“.
Zum Abschluss des eindrucksvollen und bewegenden Stückes trugen die Schüler die Vision einer Welt ohne Kriege, ohne Ländergrenzen, ohne durch Religion und Besitz angefachte Gewalt vor. wie sie John Lennon in seinem Jahrhundertsong „Imagine“ entfaltet hat. Das Lied wurde mit dem Chorleiter Volker Arns einstudiert. Alle Darsteller sangen es gemeinsam und geben so ein beeindruckendes Statement ab. 
Die Tänze wurden von Marianne Steuber, unterstützt von der Tanzpädagogin Anne Thäter, mit den Oberstufenschülern entwickelt. Die Texte haben die Schüler unter Anleitung von Peer Ball erarbeitet. Bei der szenischen Umsetzung wurden sie von beiden Kurslehrern unterstützt. Ziel war es, dass die Schüler durch die Arbeit an Texten und Bildern zum Thema, aber auch durch die Entwicklung autobiografischer Texte ihre je besonderen Gaben und Erfahrungen einbringen und zugleich Neues Lernen können. Daher wurde Wert darauf gelegt, in der Präsentation Anteile aus verschiedenen Künsten – Literatur, Musik, Kunst, Tanz- unterzubringen.
Die Arbeit an dem Stoff umfasste ein Schuljahr, neben den beiden Unterrichtsstunden pro Woche engagierten sich die 28 Schülerinnen und Schüler an vier Wochenenden und vielen Nachmittage ihrer freien Zeit für das Projekt.